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Die Geschichte von Leopoldsdorf


Die Chronik von Leopoldsdorf
"Leopoldsdorf im Wandel der Zeit"
um € 15,- im Gemeindeamt erhältlich

Schloss Leopoldsdorf
Schloss Leopoldsdorf
nach einem illuminierten Kupferstich aus Vischer´s Topographie
von "Unter-Österreich" aus dem Jahre 1672

 

Entstehung von Leopoldsdorf

Leopoldsdorf wird urkundlich erstmals um 1200 als Luipolzdorf erwähnt. Besitzer war kein geringerer als der letzte Babenbergerherzog Friedrich der Streitbare II. Dieser schenkte das Gut Lenpoldsdorf bei Lachse (das heutige Laxenburg) dem berühmten Minnesänger Ritter Tannhäuser. Nach einiger Zeit hatte er alles verpfändet und musste als fahrender Sänger in die Welt ziehen. Im Jahre 1293 ging das Schloss in den Besitz Ortulf von Leupolzdorf über.

Im 15. Jahrhundert wurde Leopoldsdorf von Raubrittern besiedelt. Im 16. Jahrhundert hieß der neue Besitzer Ruprecht Creuzer. Er gehörte der bekannten krainischen Ritterfamilie an, die im 14. Jahrhundert nach Österreich eingewandert war. 1523 erwarb Marcus von Beckh das Schloss Leopoldsdorf. Er war Doktor der Rechte bei Erzherzog Ferdinand und Kammerprocurator in Niederösterreich. Bei der Türkenbelagerung von Wien 1529 war er oberster Proviantmeister. Er verbesserte und vergrößerte seine Besitzung in Leopoldsdorf.

1600 wurde Leopoldsdorf an eine ungarische Familie verkauft. 1683 wurde Leopoldsdorf durch die zweite Türkenbelagerung von Wien verwüstet.

Im 18. Jahrhundert besteht der Ort Leopoldsdorf aus dem Schloss, einer Mühle, einer Brauerei und einer Gastwirtschaft. Leopoldsdorf hatte eine eigene Landesgerichtsbarkeit. Im Schloss gab es auch ein Gefängnis. Der Landesgerichtsverwalter konnte auch Todesurteile verhängen.

Viele Türme zierten die Wasserburg, die von einem doppelten Graben umgeben war. Das Hauptgebäude wurde später mehrmals umgeändert.

Im 19. Jahrhundert war Erzherzog Karl, der Sieger in der Schlacht von Aspern, Besitzer des Schlosses, später unter anderem Georg Heinrich Ritter Mautner Markhof, Baron Emmerich Waechter und Familie Mantz. Heute gehört das Schloss der Lifestyle Realbesitz-Verwertungsges.m.b.H. & Co KG. Beim Schloss befindet sich auch ein Reitstall.

Ziegelindustrie

1831 wohnten in Leopoldsdorf 66 Familien mit 263 Einwohnern. Durch Ansiedlungen der Ziegelindustrie in Leopoldsdorf entstanden viele neue Arbeitsplätze. Immer mehr Menschen aus Ungarn und Böhmen strömten zu. Sie waren aber nur in der Saison hier, im Herbst fuhren sie wieder in ihre Heimat zurück. Das Bild des Ortes änderte sich. Gut und Brauerei traten zurück, die bäuerlichen Anwesen verschwanden. Die Hauptstraße verwandelte sich in eine Geschäftsstraße.

Eine Volkszählung aus dem Jahre 1891 ergab 55 Hausnummern mit 1871 Bewohnern. 1893 wurde ein neues Ziegelwerk gebaut. Eine weitere Volkszählung im Jahre 1900 ergab, dass sich in Leopoldsdorf 69 Häuser mit 1215 Personen befanden, davon bekannten sich 104 zur deutschen, 379 zur böhmischen und 232 zur ungarischen Sprache.

1901 gingen die Geschäfte am Ziegelwerk zurück, so dass viele Arbeiter entlassen werden mussten und mit ihren Familien nach Böhmen zurückkehrten. 1905 wurden die Ziegelwerke von J. und A. Dachler in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1921 streikten die Arbeiter der Aktiengesellschaft Wiener Ziegelwerke Leopoldsdorf und der ZIAG Leopoldsdorf. Sie forderten eine Gehaltserhöhung.

Heute werden in Leopoldsdorf keine Ziegel mehr hergestellt.

Für die Ziegelarbeiter wurden Wohnungen errichtet, wovon heute noch einige erhalten sind und bewohnt werden, unter anderem das Haus AG 34.

Wiener Neustädter Kanal

1799 wurde zum ersten Mal der Wiener Neustädter Kanal schriftlich erwähnt. Eine belgische Handelsgesellschaft erbaute ihn. Dadurch wurde die Ziegelindustrie belebt. Der Kanal wurde von Schleppkähnen, die von Pferden gezogen wurden, befahren. Auf diese Weise wurden die Ziegel aus Leopoldsdorf in andere Orte gebracht. An Sonntagen fuhren die Adeligen mit reich geschmückten Kähnen nach Laxenburg. Leopoldsdorf war ein bekannter Anlegeplatz, um die Pferde zu wechseln. In der Nähe des Kanals befand sich auch eine Gastwirtschaft, wo man übernachten konnte. Dort befand sich auch ein Haus, das vom Kanalaufseher und vom Eismann bewohnt war. Da es früher kein Kunsteis gab, holten sich die Großkaufleute das Eis vom Wiener Neustädter Kanal. Der Eismann hackte das Eis auf, wog es ab und verkaufte es. Den Betrag musste er an die Gemeinde abliefern. Der Aufseher sorgte für die Reinigung des Kanals.

Heute dient der Kanaldamm im Winter als Rodelhügel.

Schule

Die Leopoldsdorfer Kinder mussten vorerst nach Hennersdorf zur Schule gehen. Später spendeten Ortsbewohner für den Bau einer eigenen Schule. 1853 wurde eine sogenannte Winterschule errichtet, um den Kindern im Winter den weiten Weg nach Hennersdorf zu ersparen, 1866 wurde in Leopoldsdorf eine eigene Schule gebaut. 1885 war diese zweiklassig. 1891 wurde der Schulgarten angelegt. Die Knaben der 2. Klasse mussten die Veredelungsarbeiten der Obstbäume selbst durchführen. Ein besonderes Augenmerk wurde auch auf die Pflege der Singvögel und deren Schutz gelegt. 1893 mussten die Schulklassen erweitert werden. Im Schuljahr 1895/96 teilten die Lehrer den Unterricht in drei Klassen, 1908 in vier Klassen. 1910 wurde nach dem Lehrplan einer fünfklassigen Volksschule unterrichtet. 1915 sammelten die Kinder unter der Leitung der Lehrer Altmetall, das an das Arsenal nach Wien gebracht wurde. Im August 1916 verwendeten die Schüler aus Rohstoffmangel Schiefertafeln und Griffeln für den Unterricht. Im Sommer 1918 haIfen Kinder und Lehrer bei der Ernte von Fisolen und Kartoffeln. Sie erhielten ausser Geld noch Nahrungsmittel. Seit 1931 gibt es in der Schule eine elektrische Beleuchtung. In diesem Jahr wurde auch mit der Errichtung einer tschechischen Sprachschule in Leopoldsdorf begonnen.

Ab Mai 1945 wurde ein Notunterricht eingeführt, um zu verhindern, dass die Mädchen und Knaben der Oberstufe von den Russen zum Arbeitsdienst herangezogen werden konnten. Im Schuljahr 1945/46 richteten die Russen ein Lazarett im ältesten Teil des Schulhauses ein.

Da es keine Verkehrsmittel gab, mussten die Lehrer, die in Wien wohnten, täglich den Weg zur Schule zu Fuß gehen.

Im August 1946 begann das Dänische Rote Kreuz mit der Ausspeisung für Schulkinder und Jugendliche in der Schule. Sie bekamen täglich Suppe und ein Weckerl. 1947 wurde die Elternvereinigung zur besseren Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule gegründet. Ein Lehrer hatte Glasersatz für die Fenster besorgt und Lehrer und Schüler der Oberklassen hämmerten das gepresste Papier in die leeren Fensterrahmen. Fehlende Bänke, Tafeln, Kästen, Tische und Kleiderhaken stellte die Gemeinde Wien zur Verfügung.

1993 musste das Schulhaus aufgestockt werden.

Kindergarten

1898 wurde in Leopoldsdorf ein Kindergarten anlässlich des 50. Regierungsjubiläums Kaisers Franz Josef I errichtet. 1910 wurde der bestehende Kindergarten für Schulzwecke adaptiert und gegenüber der Schule ein neues Gebäude gebaut. 1911 spendete die Familie Dachler 25.000 Kronen für die Errichtung einer eigenen Kirche. Diese wurde in Form einer Kapelle im Kindergarten eingerichtet. 1913 wurde dieser als Landeskindergarten übernommen und bis 1938 von geistlichen Schwestern betreut. 1934 fand die Weihe von 3 Glocken, die in den Turm über der Kapelle des Kindergartens kamen, statt.

Seit 1994 gibt es in Leopoldsdorf einen neuen modernen Landeskindergarten.

Gemeindeamt

Mit der Revolution von 1848 verlor der Leopoldsdorfer Schloßherr Georg Freiherr von Sina jegliche persönliche Oberheit, aber auch seine bisherigen verwaltungsmässigen und richterlichen Funktionen über die Bevölkerung von Leopoldsdorf. Mit der Neuordnung traten an Stelle der Kreisämter die Bezirkshauptmannschaften. Leopoldsdorf wurde als selbständige Gemeinde der BH Bruck/Leitha und dem Steuerbezirk Schwechat eingeteilt. Diese Ordnung bestand bis 1938.

Ab 1898 befand sich das Gemeindeamt in Leopoldsdorf im Haus Schulgasse 26.

Am 16. Februar 1919 war Wahltag für die Abgeordneten in die Nationalversammlung. In Leopoldsdorf wurden von 367 wahlberechtigten Personen 308 Stimmen abgegeben, von denen 307 gültig waren. Die Sozialdemokratische Partei erhielt 209, die Deutsch-Nationale Partei 16, die Christlich-Soziale Partei 18, der NÖ Bauernbund 59 und die Bürgerlich-Demokratische Partei 5 Stimmen. Zehn Jahre später erhielt die Demokratische Partei 161, die Sozialdemokratische Partei 377 und die Kommunistische Partei 78 Stimmen bei den Gemeinderatswahlen. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland am 12. März 1938 wurde Leopoldsdorf mit 94 anderen Gemeinden am 15. Oktober 1938 an Groß-Wien angeschlossen und somit Bestandteil des 23. Bezirkes Schwechat. Gemeindeangelegenheiten wurden der Amtsstelle in Maria Lanzendorf und dem Gemeindeamt Leopoldsdorf übertragen. 1947 wurde ein Klassenzimmer in der Schule für die Unterbringung der Gemeindekanzlei eingerichtet. Mit der Ausgemeindung aus Wien mit 1. September 1954 wurde Leopoldsdorf wieder selbständige Gemeinde und dem Verwaltungsbezirk Wien-Umgebung zugeteilt. 1958 übersiedelte das Gemeindeamt, das Postamt und der Gendarmerieposten in die Räumlichkeiten des neuerbauten Gemeindehauses Hauptstraße 25. Das Gemeindeamt wurde 1994 in das renovierte Gebäude des ehemaligen Landeskindergartens verlegt.

Freiwillige Feuerwehr

Im Jahre 1888 wurde die Freiwillige Feuerwehr Leopoldsdorf gegründet. Durch Spenden konnte 1891 ein Hydrophor angeschafft werden. Im selben Jahr wurde eine Feuertelefonlinie und an dem Gerätehaus ein Steigbaum errichtet. Am 29. Juni 1924 fand die Motorspritzenweihe der FF Leopoldsdorf statt. 1926 wurde das heutige Feuerwehrhaus (Requisitenhaus) gebaut.

Heute gehört die Freiwillige Feuerwehr Leopoldsdorf zu den modernst ausgerüsteten Wehren des Landes.

Kriegerdenkmal

1937 wurde das an unserer Hauptstraße errichtete Kriegerdenkmal für die Gefallenen und Vermissten des I. Weltkrieges 1914-1918 geweiht. Das Denkmal wurde nach dem Entwurf des Architekten Franz Kranl erbaut, wobei für den Sockel und die Säule Kalksteinblöcke aus dem Leithagebirge, die beim Bau des Wiener Neustädter Kanals Verwendung gefunden hatten, herangezogen wurden. Kopf und Adler wurden aus Sandstein aus St. Margarethen im Burgenland gefertigt. In den Jahren der Nachkriegszeit wurden Tafeln zum Gedenken an die Opfer des II. Weltkrieges 1939-1945 am Denkmal angebracht.

Kirche

Leopoldsdorf besaß keine eigene Kirche und gehörte zur Pfarre Maria Lanzendorf. 1527 wurde die Schlosskapelle erneuert und zur neuen Pfarrkirche Leopoldsdorf. Aufgrund eines Vertrages gehörte Leopoldsdorf seit diesem Zeitpunkt zur Pfarre Hennersdorf. Leopoldsdorf konnte sich erst nach dem II. Weltkrieg eine eigene Kirche bauen. Seit 1913 bestand im ehemaligen Landeskindergarten, dem heutigen Gemeindeamt, eine Kapelle, die jedoch aufgrund der politischen Verhältnisse im Jahre 1938 als Notkapelle in eine Wohnung der Gutsverwaltung Waechter verlegt werden musste. Nach Schenkung eines Grundstückes an der Hennersdorfer Straße durch Baron Emmerich Waechter konnte 1951 mit dem Bau einer Pfarrkirche begonnen werden. Die Einweihung erfolgte 1952.

Neben der Pfarre befindet sich auch heute noch ein Kindergarten, den früher Klosterschwestern führten.

Entwicklung des Dorfes

1923 gab es in Leopoldsdorf eine große Eröffnungsfeier anlässlich der ersten Ortsbeleuchtung mit elektrischen Licht.

1927 eröffnete die Kraftwagen-Verkehrs-Gesellschaft Heil und Kiesel, Mannersdorf, die Autobuslinie Wien - Mannersdorf am Leithagebirge. Der Fahrpreis von Leopoldsdorf nach Wien betrug 1 Schilling, die Fahrzeit 20 Minuten.

Hauptstrasse
Leopoldsdorfs Hauptstraße um 1940
von der Hennersdorfer Straße aus betrachtet
Fotografie zur Verfügung gestellt von Herrn Josef Vlk

 

1930 wurde die Hauptstraße in Leopoldsdorf asphaltiert. Die Volkszählung von 1934 ergab für Leopoldsdorf 111 Häuser und 1711 Einwohner. In den Zwanziger- und Dreissigerjahren des vorigen Jahrhunderts entstanden in Richtung Wien die Siedlungen Rustenfeld, Dachler-, Pechan- und Stierofensiedlung.

Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 stellten deutsche Truppen auf dem Fussballplatz in Leopoldsdorf ihre Wagen, Waffen und Geräte ab.

1944 und 1945 kamen viele Wiener, um in den Luftschutzkellern von Leopoldsdorf Zuflucht zu finden. Im April 1945 besetzten die Russen Leopoldsdorf. Nach 1954 nahm Leopoldsdorf einen großen Aufschwung. Durch die Nähe zu Wien zogen immer mehr Leute nach Leopoldsdorf, obwohl es keine Kanalisation, keine Wasserleitungen und nur spärlich öffentliche Beleuchtung gab. Mit diesen Arbeiten wurde in den sechziger Jahren begonnen. Zu jener Zeit wurde auch der Friedhof sowie die Kläranlage errichtet.

Unsere Bürgermeister, die in mühevoller Arbeit vieles, was uns heute selbstverständlich ist, geschaffen haben :

1954 – 1960 Franz Weiss (SPÖ)
1960 – 1962 Johann Kubak (SPÖ)
1962 – 1965 Franz Weiss (SPÖ)
1965 – 1978 Franz Artinger (SPÖ)
1978 – 1990 Ferdinand Binder (SPÖ)
1990 – 2005 Erich Schmidt (SPÖ)
2005 Helmut Schiessler (SPÖ)
2005 – 2006 Johann Mosandl (ÖVP)
2007 RegR.Heinrich Ortner (ÖVP)
2007 – 2010 Helmut Schiessler (SPÖ)
2010 Fritz Blasnek (ÖVP)


Im September 1994, anlässlich der Eröffnungsfeierlichkeiten des neuen Gemeindeamtes, wurde Leopoldsdorf das Gemeindewappen verliehen.

Die Legende unseres Wappens :

"In Gold ein roter, gequaderter Ringziegelofen mit Schornstein und
schwarzer Türöffnung, begleitet von zwei aufgerichteten, einander
zugewendeten, herschauenden, doppelschwänzigen, roten Löwen"

Seit 1999 ist Leopoldsdorf Marktgemeinde.


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